Medaillen
Karl-Friedrich Schinkel  und JGS
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SchadowGesellschaft e.V.

Internationales Forum für Kunst, Bildung und Wissenschaft

Gemeinnützige Körperschaft

gegr. 1985

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1838 Verleihung des Roten Adlerordens 2. Klasse mit Brillianten anlässlich seiner 50-jährigen Mitgliedschaft in der Akademie der Künste an

Johann Gottfried Schadow

JGS von Franz Krüger

Johann Gottfried Schadow von Franz Krüger

Der letzte Markgraf zu Brandenburg-Ansbach und Bayreuth, Christian Friedrich Karl Alexander (1736-1806, gab dem Orden 1776 neue Statuten und den Namen "Hochfürstlicher Brandenburgischer Roter-Adler-Orden ". Als er die Fürstentümer am 2. Dezember 1791 an Preußen abtrat, ging auch der Orden an Preußen über und wurde am 12. Juni 1792 von Friedrich Wilhelm II. (gest. 1797) zum zweiten Ritterorden des Königreichs erhoben.

 

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Als die Friedensklasse des pour le mérite gestiftet wurde, war es selbstverständlich, daß Johann Gottfried Schadow den Orden erhielt.

Der König selbst begab sich in die Wohnung des Alten in der jetzigen Schadow-Straße.

"Lieber Schadow, ich bring Ihnen hier den pour le mérite." - "Ach Majestät, was soll ich alter Mann mit'n Orden?" - "Aber lieber Schadow..." - "Jut, jut, ich nehm ihn. Aber eine Bedingung, Majestät: wenn ich dod bin, muß ihn mein Wilhelm kriegen."

Wilhelm bekam ihn nicht, aber dafür wurde er drei Jahre später, 1845, von Friedrich Wilhelm IV. in den Adelsstand erhoben und hieß seitdem Wilhelm von Godenhaus, eine in Preußen seltene Auszeichnung eines Malers, die zu dem alten Schadow nicht gepaßt hätte.

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Wappen des Wilhelm von Schadow Godenhausen

 

Durch die Verleihung der Wilhelm-von-Schadow-Medaille will die

Schadow-Gesellschaft

Persönlichkeiten, die sich um die Förderung der Künste und des Kulturlebens durch Wort, Schrift oder Werk verdient gemacht haben, anerkennen und auszeichnen.

 

Urkunde

In Anerkennung ihrer/seiner herausragenden

kulturellen Leistungen wird

Prof. Dr. Adolf Muschg

Berlin am 6. September 2006

Frau Erika Danckwerts

Berlin am 6. September 2003

Herrn Dr. Dr. Henning Müller

Berlin am 21. Oktober 2000

durch das Präsidium der

Schadow-Gesellschaft e. V.

die

Wilhelm-von-Schadow-Medaille

zuerkannt und verliehen.

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6. Sept. 2006 im Plenarsaal der Akademie der Künste in Berlin am Pariser Platz.

Rede von Dr. Thomas Blisniewski

zur Verleihung der Wilhelm-von-Schadow-Medaille an Prof. Dr. Adolf Muschg

Dr. Blisienewski

 

Als Friedrich Wilhelm Schadow 1858 nobilitiert wurde - von nun an hieß er nach seinem Landgut Godenhausen am Rhein bei Remagen „von Schadow-Godenhausen“ - ein Wappen wählte (und wohl auch entwarf), entschied er sich für ein ausgesprochen ungewöhnliches Wappen-Thema:

Eine fliegende weiße Taube, die einen Ölzweig hält. Über ihr ist ein Regenbogen vor blauem Himmel - unter ihr das Chaos - zu sehen. Und über dem Wappenschild erscheint als rotgrundiges Spruchband: „Gloria in Excelsis Deo – Pax hominibus.“

Schadow wählt die Taube, die Noah nach der Sintflut das Zeichen der zurückweichenden Wasser bringt (Gen 8, 11). Das ist ein Neuanfang der Menschheit.

Und einen Neubeginn, einen Einschnitt, nach dem wir unsere Tage und Jahre zählen, markiert auch die Devise. „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen“, der Satz also, den bei Lukas (Lk 2, 14) die Engel zu den erstaunten Hirten sprechen, als sie ihnen von der Geburt Jesu Christi berichten.

Es ist ein tief religiöses Wappen, das Schadow-Godenhausen entwirft, und es spricht von Entzweiung und Versöhnung – von Frieden.

Religiosität ist denn auch eine ganz wichtige Konstante im Leben Schadows!

Geboren als zweiter Sohn des preußischen Hofbildhauers Johann Gottfried Schadow heute vor 218 Jahren, also am 6. Sep. 1788, wuchs er in einem ausgesprochen kunstsinnigen Milieu auf. Früh begann der Zeichenunterricht beim Vater, dem der Besuch der Berliner Kunstakademie folgte. 1810 bricht er zusammen mit seinem älteren Bruder Rudolf (Ridolfo) zu den damals obligaten Kunst-, Lehr-, Lern- und Wanderjahren nach Italien auf, die ihn ganz besonders prägen sollten. In Rom hat er, obgleich Maler, engen Kontakt zum dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen, der zu dieser Zeit sicher die alles überragende Künstlerpersönlichkeit in Rom war.

Schadow lernt aber auch die Malergruppe um Peter Cornelius kennen. Diese Maler, die sich selbst Lukasbund nannten – und sich 1809 in Wien zusammengefunden hatten derweil, aber in Rom ansässig waren – sind heute besser unter dem Namen „Nazarener“ bekannt, doch das war eigentlich ein Spottname auf diese – scheinbaren – Sonderlinge. Cornelius, Overbeck, Veit, Sutter und etliche andere hatten sich zum Ziel gesetzt, die Kunst zu erneuern.

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Die Religion, das Katholische, spielte dabei eine immense Rolle, und alle Lukasbrüder, die nicht katholisch waren, konvertierten. Friedrich Wilhelm Schadow schloss sich dem Lukasbund 1813 an, und in einem Brief von Overbeck an Sutter vom 21. Mai 1813 wird nur Gutes über das Neumitglied berichtet.

„…unser Bund (ist) wieder um ein Mitglied stärker geworden [...], durch die Aufnahme unseres Freundes Schadow, Sohn des bekannten Bildhauers in Berlin … man könnte sagen, dass dieser junge Bruder uns Ältere zu neuem Eifer anspornt sowohl durch sein edles tief eindringendes Bestreben und seine schon erlangten großen Kenntnisse und Fertigkeiten in der Kunst als auch durch seinen musterhaften Wandel, seinen Ernst, mit dem er nach Vervollkommnung ringt und seine wahrhafte Religiosität.“

Im Jahre 1814 wird dann auch Schadow zum Katholizismus übertreten, ein Schritt, den sein Vater, Johann Gottfried, 1785 auch vollzogen hatte. Diesem soll es dabei aber psychisch und physisch sehr schlecht ergangen sein, so dass ihn der Kapuzinerpater, der ihn und Marianne Devidels verheiratete, den Bräutigam im Bett liegend trauen musste. Zurück in Berlin, machte Vater Schadow den Schritt 1787 auch sogleich rückgängig. Friedrich Wilhelm Schadow aber blieb sein Leben lang katholisch.

In den Jahren 1816/ 17 wirkt Schadow an der Ausgestaltung der Casa Bartholdy in Rom mit, deren Saal heute so eindrucksvoll in der Alten Nationalgalerie hier in Berlin inszeniert wird. Schadow, wie auch seine Mitstreiter Overbeck und Cornelius orientieren sich hier deutlich an der Kunst des italienischen Quattrocento. Diese „vergegenwärtigende Rückerfindung“, wie Bazon Brock es anlässlich der Nazarener-Ausstellung 2005 in Frankfurt genannt hat, ist denn auch ein wesentliches Charakteristikum der Kunst Schadows und der Nazarener insgesamt.

1819 kehrte Schadow nach Berlin zurück, wo er bald darauf als Professor an die Akademie berufen wurde. Im selben Jahr belebte der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Düsseldorfer Kunstakademie neu. Diese hatte ihre Wurzeln schon im 18. Jahrhundert. Durch die Wirren der französischen Besetzung des Rheinlandes und den Wegzug der Düsseldorfer Gemäldegalerie nach München, war der Akademiebetrieb aber de facto zum Erliegen gekommen. Neben Berlin und Königsberg entstand nun eine dritte Kunstakademie im Königreich Preußen. Der Gründungsdirektor war Peter von Cornelius, der parallel aber auch für den bayerischen König Ludwig I. arbeitete und in dessen Auftrag die Münchener Glyptothek mit Fresken ausstattete. Die Doppelbelastung Cornelius’ führte dazu, dass dieser 1825 ganz nach München übersiedelte und die Direktorenstelle der Düsseldorfer Akademie vakant wurde. Besetzt wurde sie 1826 neu und zwar mit Friedrich Wilhelm Schadow.

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Sophie von Schadow 1833

(Nun waren zwei Drittel der preußischen Akademien unter der Leitung von Schadows!)

Dieses Amt hatte er bis zum Jahre 1859, also 33 Jahre, inne.

Schadow war „Nazarener“ dem Geist und Stile nach, und Düsseldorf wurde zu einer der Hochburgen dieser Gedankenwelt und künstlerischen Stilrichtung.

Schadow wollte den Zusammenhang von Kunst und (alltäglichem) Leben wiederherstellen und zwar auf der Grundlage der christlichen Religion. Für ihn war das Kunstschaffen ein quasi religiöser Akt, und er forderte um 1850 den Künstler auf: „Betrachte und studiere die Natur mit kindlichem und reinem Herzen und sie wird dich zu noch innigerer Anbetung Gottes führen (...).“Und weiter schreibt er: „ (...) dass das Höchste wie das Geringste der Göttlichen Werke so viel Beachtenswürdiges enthält, dass daran glückliche Erkenntnis oder Nachahmung die Achtung, Aufmerksamkeit und Bewunderung jedes Menschen verdient, Götter und Helden haben keineswegs allein Anspruch auf Verherrlichung durch die bildende Kunst (...). Ist Gott Fleisch geworden, so erhellt sich daraus von selbst, dass Christus, dessen Leben, Wandel und Tod und das Leben seiner Genossen, Nachfolger und Märtyrer auch die höchsten darstellbaren Gegenstände sind.“

Schadow reformiert aber auch wegweisend die praktische Ausbildung in der Akademie. In der „Elementarklasse“ wird vor allem das Zeichnen geübt, auch spontanes, schnelles Zeichnen. In den beiden „Vorbereitungsklassen“ wird die „Anfertigung eines selbständigen Kunstwerkes“ (Schadow) gelehrt und gelernt. Die erste Vorbereitungsklasse hat die Verfeinerung der Zeichenkünste zum Ziel und in der zweiten geht es um die „Anfangsgründe der Malerei“ (Schadow). Schließlich sollen die Schüler in der „Klasse für ausübende Schüler“ umsetzen, was sie zuvor an praktischen Fähigkeiten erworben haben. Ergänzt wird dies alles durch kunstgeschichtliche Unterweisungen.

War der Akademiebetrieb, wie Schadow ihn organisierte, zuerst von großem Erfolg begleitet - der Ruhm der Akademie erreichte unter ihm seinen ersten Höhepunkt - gab es spätestens seit etwa 1848 mehr oder weiniger große Dispute in, doch vor allem außerhalb der Akademie, die bis zu Schadows Rückzug auch nicht aufhörten. Dabei spielte sicher auch eine Rolle, dass Schadow Mitbegründer des „Kunstvereins für die Rheinlande und Westphalen“ war und sich in ihm auch sehr engagierte. Ziel des Vereins war es, die „vorzüglicheren Werke der Kunstschule zu Düsseldorf“ anzukaufen und so nazarenische Kunst zu verbreiten und die Schüler der Akademie finanziell abzusichern. Dies führte bei den Künstlern, die dieser Richtung entgegenstanden oder nicht näher mit der Akademie verbunden waren, zu heftigsten Neidattacken. Zudem hatte sich das politische Klima seit 1848 sehr geändert: Der preußische Kulturkampf kündigte sich ganz allmählich an, und den Mächtigen in Berlin war alles (Rheinisch-)Katholische suspekt, wenn nicht gar nach Verschwörung riechend.

Ein „Verschwörer“, das war aber Friedrich Wilhelm von Schadow, der in seinen späten Jahren – auch wegen eines Augenleidens – die künstlerische Arbeit nahezu einstellte, ganz sicher nicht. Und die Revolution von 1848 scheint er zu tiefst abgelehnt zu haben.

Seine letzten Jahre verbrachte von Schadow-Godenhausen zurückgezogen auf seinem Gut Godenhausen, wo er 1862 starb.

Schadows Ruhm aber, der wurde ihm auch zum Verhängnis: Die Kunst der Nazarener wurde in der Folgezeit immer weiter verzuckert, und bis ins 20. und 21. Jahrhundert finden sich süßliche Kunstdrucke, die Kunstauffassungen ihrer Ur-Väter verwässern und verfälschen. Und so gilt es, mit neuem Blick auf das Alte zu schauen!

 

Prof. Dr. Adolf Muschg mit der Wilhelm-von-Schadow-Medaille ausgezeichnet

Der Schweizer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler

3417_muschg_adolfProf. Dr. Adolf Muschg wurde am 6. September 2006, dem 218. Geburtstag des bedeutenden Professors der Berliner Akademie und Direktors der Düsseldorfer Akademie (1826 bis 1859) Wilhelm von Schadow Godenhausen, in Anerkennung seiner herausragenden kulturellen Leistungen mit der Wilhelm-von-Schadow-Medaille ausgezeichnet.

Die Ehrung wurde vom Präsidium der Schadow-Gesellschaft im Beisein seiner königlichen Hoheit Dr. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen und bedeutenden Gästen aus dem In- und Ausland im Plenarsaal der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin vorgenommen.

Nach einer interessanten Rede des Kölner Kunsthistorikers Dr. Thomas Blisniewski zum Namensgeber der Medaille, Wilhelm von Schadow Godenhausen, und der Laudatio des international ausgezeichneten Lyrikers und Essayisten Prof. Dr. Harald Hartung überreichte Dieter Gefeke , der Präsident der Schadow-Gesellschaft, Adolf Muschg die Wilhelm-von-Schadow-Medaille.

Prof. Muschg, der selbst von 2003 bis 2006 Präsident der Akademie der Künste in Berlin war, bedankte sich mit einer lebhaften Rede zur Entwicklung der Akademie der Künste von der Zeit des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I an über den bedeutenden Direktor der preußischen Akademie der Künste (1816 bis 1850) Johann Gottfried Schadow bis in die heutige Zeit.

Die Schwere dieses Ehrenamtes deutete er mit einem Vergleich aus der antiken Mythologie an: So wie Atlas die Welt auf seinen Schultern trägt und er sie trotz einer List nicht an Herakles abgeben kann, geht auch mit dem Präsidentenamt eine Bürde einher, die manche Bitterkeit mit sich bringt. Adolf Muschg brachte zum Ausdruck, dass diese Bitterkeit nun zu Süße geworden ist.

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Am Flügel: Olaf Greiser, Berlin

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Wilhelm von Schadow - Mignon

 

6. September 2003 Verleihung der Wilhelm-von-Schadow-Medaille

an Frau Erika Danckwerts, Geschäftsführerin des Humboldt-Zentrums Berlin,

im Kultursaal der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

in Berlin–Lankwitz,  

Gemeinde Lankwitz

 

Rede vom Vorstandsmitglied Ulrike Geiger M. A.

Ulrike 2003

 

anlässlich der Verleihung der Wilhelm von Schadow-Medaille

am 6. September 2003 an Frau Erika Danckwerts

Herr Präsident,

verehrte Frau Danckwerts,

sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

der Namensgeber der heute zu verleihenden Medaille ist der Künstler, Kunsttheoretiker, Akademiedirektor Professor Wilhelm von Schadow.

Heute vor 215 Jahren, am 6. September 1788, wurde Friedrich Wilhelm Schadow als zweiter Sohn des königlichen Hofbildhauers und Direktors der preußischen Akademie der Künste, Johann Gottfried Schadow, in Berlin geboren. Er erhielt von seinem Vater den ersten Zeichenunterricht und besuchte ab 1808 die Berliner Akademie, wo er bei Friedrich Georg Weitsch und Wilhelm Wach ausgebildet wurde. Bis 1810 entstanden bedeutende Porträts, die von der Berliner Bildnistradition seit Daniel Nicklaus Chodowiecki und Antoine Pesne beeinflusst waren, wie z. B. das postume Bildnis der Königin Luise und als Pendant dasjenige ihres Gatten Friedrich Wilhelm III. beide 1810.

1811 bekam er ein Italienstipendium und ging in Begleitung seines Bruders Rudolf, des Bildhauers, nach Rom. In die ersten Monate seines Romaufenthaltes fiel die intensive Begegnung mit dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen, in dessen Atelier Schadow einige Zeit ein- und ausging.

Unter dem Einfluss der Nazarener, denen er sich 1813 in Rom anschloss, konvertierte der Künstler 1814 zum Katholizismus und schloss sich dem Malerorden der Lukasbrüder (Nazarener) um Friedrich Overbeck, Franz Pforr und Schnorr von Carolsfeld an. In Rom beteiligte sich Schadow neben Peter von Cornelius, Friedrich Overbeck und Philipp Veit 1816 – 1818 an der Ausmalung der Casa Bartholdy mit den beiden Bildern „Joseph im Gefängnis“ und „Die Überbringung des blutigen Rocks an Jacob“. Philipp Veit war ein Enkel von Moses Mendelssohn und ein Stiefsohn von Friedrich Schlegel.

1818 entstanden die drei Porträts von Caroline, Gabriele und Adelheid von Humboldt, die bis zu ihrer Zerstörung 1945 als Meisterwerke der nazarenischen Bildniskunst galten. Auch in den zwanziger und dreißiger Jahren blieb das Porträt ein bevorzugtes Thema Schadows.

Nach Berlin zurückgekehrt wurde er Professor an der dortigen Akademie, bis er 1826 die Nachfolge von Peter von Cornelius als Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie antrat. Schadow veranlasste die Begabtesten seiner Schüler wie Julius Hübner, Eduard Bendemann oder Carl Friedrich Lessing, ihm an den Rhein zu folgen. Aus zahlreichen Ländern zog es nun Kunststudenten an die Düsseldorfer Kunstakademie. In Düsseldorf schuf Friedrich Wilhelm Schadow hervorragende Gemälde im Geist einer poetischen Kunstauffassung. Von besonderer Bedeutung sind seine religiösen Historienbilder und seine romantischen Porträts, wie das der Agnes D’Alton Rauch (Kunsthalle Hamburg) und des Leiters des Düsseldorfer Theaters Karl Immermann. Die folgenden Jahre galten als Blütezeit der so genannten Düsseldorfer Malerschule.

Schadow hatte das Akademiedirektorat 33 Jahre bis 1859 inne und sorgte in dieser Zeit für eine Neuorganisation der Ausbildung. Diese wurde manifestiert im 1831 veröffentlichten Reglement der Kunstakademie. Gleichermaßen wurde Wert gelegt auf die Einübung praktischer Fähigkeiten wie auf die Förderung eigener Kompositionen. Hatte Schadows Vorgänger Peter von Cornelius besonders die Freskotechnik unterrichtet, so legte Schadow jetzt den Schwerpunkt auf die Ölmalerei. Friedrich Wilhelm Schadows kunstpädagogische Impulse führten zur Begründung der berühmten „Düsseldorfer Malerschule“. 1829 beteiligte er sich maßgeblich an der Stiftung des „Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen“.

Neue Impulse für seine eigene Tätigkeit holte er sich auf weiteren Romreisen 1830/31 bzw. 1839/40. In der Düsseldorfer Zeit wandte sich Schadow, getragen von seinem katholischen Bekenntnis, schwerpunktmäßig Kirchenausstattungen und Gemälden religiöser Thematik zu (z. B. die klugen und die törichten Jungfrauen 1842; Pietas und Vanitas 1840/42).

Auch in seinen kunsttheoretischen Schriften wie „Über den Einfluss des Christentums auf die Malerei“ 1842 verlieh er der Hoffnung auf die einigende Kraft der Religion immer wieder Ausdruck. Hierdurch geriet er zunehmend in Opposition zu politisch fortschrittlich gesonnenen Mitgliedern der Akademie, besonders im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen des Revolutionsjahres 1848.

F ür Schadow blieb die Kategorie des Poetischen, verstanden als göttlich inspirierte Fähigkeit, höchstes Ziel seiner Kunst. Er strebte danach, die „Beziehung aller endlichen Erscheinungen der sinnlichen Wirklichkeit zum Unendlichen, Übersinnlichen und Göttlichen sichtbar werden zu klassen“ (B. Tucholsky). In diesem Sinne kann sein 1850 - 1854 entstandenes dreiteiliges Wandgemälde „Himmel, Fegefeuer und Hölle“ nach Dantes „Divina Commedia“ für das Landgericht in Düsseldorf auch als Versuch eines künstlerischen Resümees verstanden werden.

Dass sich Schadow dem Einfluss seines Vaters, des berühmten und anerkannten Bildhauers Johann Gottfried Schadow, kaum entziehen konnte, verwundert nicht. Während er durch seinen Vater, der sich für die Persönlichkeit Martin Lu-thers begeisterte, auf die philologische Erkenntnis der Schrift hingewiesen wurde, bedingt der geistige Einfluss seiner Mutter Marianne Devidels, einer Wiener Jüdin, die sich viel mit Literatur befasste, Wilhelms grundsätzliche Em-pfänglichkeit für übersinnliche Phänomene. In dieser Polarität des lutherischen und jüdischen Geistes, in der Schadow aufwuchs, dürfte ein Grund für die tiefe Widersprüchlichkeit seiner gleichzeitig rationalen und gefühlsbetonten roman-tischen Sicht.

Der Alte“, eine Verkörperung Wilhelm von Schadows in seiner autobiographischen Novelle „Der moderne Vasari“, erinnerte sich an diese vergangenen Tage der Jugend:

Er dachte darüber nach, was seine Jugend bewegt, was ihn zuerst in der Kunst angesprochen, was ihm von Anbeginn gleichgültig oder gar zuwider gewesen, und das Ergebnis seiner Erinnerung fiel dahin aus, er sei dem am treusten ge-blieben, was ihn in der Jugend am meisten entzückt habe, wenn auch in dem entschiedenen Widerspruch mit den Autoritäten seiner Zeit. Die Jugend aber ist einseitig, sie folgt dem angeborenen, individuellen Triebe, ist oft ungerecht, nicht aus Absicht, sondern aus Mangel an Erkenntnis, spätere Jahre zwingen den redlich Strebenden, auch anderen Richtungen die ihnen gebührende Stellung einzuräumen; der Geist bereichert sich, und das Urteil wird milder und universeller.“

Später schreibt er: „Wer eine solche Laufbahn gemacht, dem darf man das Recht zur Kritik wohl einräumen, denn, falls er auch seinem ursprünglichen Na-turell treu bleibt, so übt er nichtsdestoweniger Gerechtigkeit auch gegen andere Richtungen“.

F ür seine künstlerischen Verdienste bekam Professor Friedrich Wilhelm Schadow 1842 die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn verliehen und wurde am 20. Januar 1843 in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben und erhielt das Adelsprädikat mit Wappen als Ritter von Schadow-Godenhausen. Am 30. November 1851, als Friedrich Wilhelm von Schadow 25 Jahre Direktor der Kunstakademie war, ehrten am Abend zuvor seine Kollegen, seine Studenten und die Vertreter aller Stände den Meister und hochgeschätzten Lehrer der Malkunst mit einem Fackelzug. Er blieb noch acht Jahre bis 1859 Akademiedirektor.

Der Künstler, so schrieb Schadow, konzipiert das Kunstwerk mit allen Kräften seiner Seele, hier ist keine Scheidung der Elemente, der Phantasie, des Gefühls und des Verstandes denkbar, sondern alle wirken gleichmäßig.

F riedrich Wilhelm von Schadow starb zurückgezogen 1862 in Remagen bei Bonn auf Gut Godenhausen. Einige seiner berühmten Werke sind heute in den Museen in Berlin, Düsseldorf, München, Hamburg und Hannover zu besichtigen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

 

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Wilhelm von Schadow - Bildnis einer jungen Römerin (1817)

München Neue Pinakothek

 

Laudatio:

Frau Elke von Nieding

Nieding von

Vorsitzende der Mendelssohn-Gesellschaft

anlässlich der Verleihung der Wilhelm von Schadow-Medaille

am 6. September 2003 an Frau Erika Danckwerts

 

Liebe Erika Danckwerts,

sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine Ehre und noch größere Freude, hier zu Ihnen von Frau Erika Danchwerts zu sprechen, der heute die Wilhelm von Schadow-Medaille ver-liehen wird. Mit dieser Auszeichnung ehrt die Schadow-Gesellschaft Persön-lichkeiten, die sich um die Förderung der Kunst und des Kulturlebens durch Wort, Schrift oder Werk verdient gemacht haben. Dies alles trifft auf die heutige Preisträgerin in besonderem Maße zu.

Erika Danckwerts wurde in Berlin geboren und verbrachte hauptsächlich hier ihre Kinder- und Jugendjahre überschattet von Kriegs- und Nachkriegs-zeit. Sie wuchs in einem humanistisch geprägten, musischen Elternhaus auf zusammen mit zwei Geschwistern. Mit ihnen und deren Kindern verbindet sie eine tiefe und herzliche Zuneigung. Schon früh entdeckte Erika Danckwerts ihre Liebe zur Literatur, die durch verständnisvolle Lehrer gefördert wurde.

Nach ihrer Heirat lebte sie einige Zeit in Bonn, kehrte aber 1958 nach Berlin zurück und arbeitete in der Akademie der Künste. Gleichzeitig studierte sie Germanistik, Philosophie und Geschichte an der Pädagogischen Hochschule und der Freien Universität. Sie wurde zunächst Assistentin am Fachbereich für systematische Erziehungswissenschaften, hat dann aber viele Jahre an einem Wilmersdorfer Gymnasium gearbeitet. Dabei hatten stets die Bildungsideale Wilhelm von Humboldts, die sie für zeitlos gültig hält, starken Einfluss auf ihr Wirken.

Humboldt geht es in seiner Bildungsidee um zweierlei: einerseits um die individuelle Bildung zum mündigen Bürger, andererseits um eine allgemeine Bildung, bei der es um Humanität als Ideal geht. Daraus ergibt sich für Erika Danckwerts die Auffassung, dass Menschen die Pflicht haben, sich ihren Kräften entsprechend in das Gemeinwesen einzubringen und kulturelles oder soziales Engagement nicht allein dem Staat zu überlassen. Damit fand sie eine politische Basis bei den freien Demokraten, deren Jugendorganisation sie bereits 1949 beitrat. In Berlin wurde sie Vorsitzende des kulturpolitischen Arbeitskreises der FDP und hat hier besonders durch ihren Einsatz für das Bibliothekswesen und die schon damals vernachlässigten Musikschulen versucht, bei möglichst breiten Schichten ein kulturelles Bewusstsein zu wecken und zu fördern.

Große Verdienste erwarb sie sich als Schatzmeisterin des Deutschen Kammerorchesters. Dieses wurde 1989 von dem Dirigenten Fritz Weisse gegründet mit dem Ziel, Musikern aus Ost und West unabhängig von den politischen Gegebenheiten eine gemeinsame künstlerische Basis zu geben. Kunst gleichsam als Bindeglied über den Gräben zu sehen. Hier fand Erika Danckwerts ein reiches Betätigungsfeld. Sie managte Konzerte, betreute die Musiker und organisierte schon bald nach der Wende gemeinsame Spielstätten in den neuen Ländern. Durch diesen persönlichen Einsatz hat sie einen bedeutenden Beitrag zur kulturpolitischen Entwicklung Berlins geleistet.

Beinahe zwangsläufig ergab sich für Erika Danckwerts die Verbindung zum Humboldt-Zentrum Berlin, wo sie eine weitere ehrenamtliche Tätigkeit übernahm. 1991 als Schatzmeisterin und seit 1998 als Geschäftsführerin organisierte sie dort Vorträge von Wissenschaftlern, die in dem reichen Interessensspektrum Alexander von Humboldts arbeiten.

Seit ihrer Pensionierung verstärkte sich ihr kulturelles Engagement noch dadurch, dass sie bei den kulturellen Treffen des Zehlendorfer Kulturvereins einen Arbeitskreis Literatur leitet, wo sie, die mit Leidenschaft liest, Gleichgesinnte mit der Literatur unserer Zeit vertraut macht.

Ich lernte Erika Danckwerts bei eben jenem Kulturverein auf Wanderungen, Lesungen und Vorträgen kennen und schätze mich glücklich, dieser vielseitig begabten Frau freundschaftlich verbunden zu sein. Beide leiten wir Vereine, deren berühmte Namensgeber, die Humboldts und die Mendelssohns, als Kinder der Aufklärung das geistige Leben Berlins im 19. Jahrhundert bestimmten. Aber ob es nun die Schadows, Humboldts oder Mendelsohns oder Varnhagens waren, sie alle hatten Ideale, die sie in ihrem künstlerischen und geisteswissenschaftlichen Wirken auf uns Nachgeborene überlieferten und die auch heute noch gelten. Solches weiterzutragen ist Erika Danckwerts eine Verpflichtung und so erscheint es passend mit einem Zitat Wilhelm von Humboldts zu schließen:

„Die letzte Aufgabe unseres Daseyns: dem Begriff der Menschheit in unserer Person, sowohl während der Zeit unseres Lebens, als auch noch über dasselbe hinaus, durch die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zurücklassen, einen so großen Inhalt als möglich zu verschaffen, diese Aufgabe löst sich allein durch die Verknüpfung unseres Ichs mit der Welt zu der allgemeinsten, regesten und freiesten Wechselwirkung.

Liebe Erika, ich gratuliere Dir zu Deiner Auszeichnung.

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Wilhelm von Schadow - Bildnis einer jungen Römerin (1818)

München Neue Pinakothek

 

Laudatio gehalten von Alexander Schadow

anlässlich der Verleihung der Wilhelm von Schadow-Medaille am 21. Oktober 2000 in Berlin

an Dr. Dr. Henning Müller

Dr. Müller

Sehr geehrter Dr. Müller, verehrte Frau Müller,

verehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

heute wurde erstmals durch den Präsidenten der Schadow-Gesellschaft die „Wilhelm von Schadow-Medaille“ verliehen. Sie, sehr geehrter Herr Dr. Müller, sind der erste derart Ausgezeichnete. „Durch die Verleihung der Willhelm von Schadow Medaille will die Schadow-Gesellschaft Persönlichkeiten, die sich um die Förderung der Künste und des Kulturlebens durch Wort, Schrift oder Werk verdient gemacht haben, anerkennen und auszeichnen.“ So steht es in der Satzung der Gesellschaft. (Vereinssatzung § 2)

In Ihrer Person ist unbestreitbar ein Förderer der Künste und des Kulturlebens durch Wort, Schrift und Werk gefunden, worauf ich noch später eingehen werde.

Der Namensgeber der Medaille ist kein geringerer als der Künstler, Kunsttheoretiker und Akademiedirektor Friedrich Wilhelm von Schadow.

Im Jahr 1788 wurde Friedrich Wilhelm Schadow als zweiter Sohn des Bildhauers Johann Gottfried Schadow in Berlin geboren. Er erhielt von seinem Vater den ersten Zeichenunterricht und besuchte ab 1808 die Berliner Akademie. 1811 bekam er ein Italienstipendium und ging in Begleitung seines Bruders Rudolf nach Rom. Hier schloss er sich dem Malerorden der Lukasbrüder (Nazarener) um Friedrich Overbeck an. Friedrich Wilhelm beteiligte sich in Rom an der Ausmalung der Casa Bartholdy mit den Fresken „Klage Jakobs um Joseph“ und „Josephs Traumdeutung im Gefängnis“. 1826 wurde Friedrich Wilhelm als Direktor der Kunstakademie nach Düsseldorf berufen, wo er eine fruchtbare Lehr-tätigkeit begann.

Friedrich Wilhelm Schadows kunstpädagogische Impulse führten zur Be-gründung der berühmten „Düsseldorfer Malerschule“. 1829 beteiligte er sich maßgeblich an der Stiftung des „Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen“.

In Düsseldorf schuf Friedrich Wilhelm Schadow hervorragende Gemälde im Geist einer poetischen Kunstauffassung. Von besonderer Bedeutung sind seine religiösen Historienbilder und seine romantischen Portraits, wie das der Agnes DAlton-Rauch (Kunsthalle Hamburg), Karl Im-mermanns oder der Gabriele von Humboldt (Kriegsverlust).

Für seine künstlerischen Verdienste wurde Friedrich Wilhelm Schadow am 20. Januar 1843 in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben und erhielt das Adelsprädikat mit Wappen als Ritter von Schadow-Godenhausen.

Am 30. November 1851, als Friedrich Wilhelm von Schadow 25 Jahre Direktor der Kunstakademie war, ehrten am Abend zuvor nicht nur seine Kollegen und Studenten, sondern Vertreter aller Stände den Meister und hochgeschätzten Lehrer in der Malkunst, Friedrich Wilhelm von Schadow, mit einem Fackelzug. Er blieb noch bis 1859 Akademiedirektor. Friedrich Wilhelm Schadow starb zurückgezogen 1862 in Remagen bei Bonn auf Gut Godenhausen.

Heute ehren wir Sie zwar nicht mit einem Fackelzuge, aber mit einer Festveranstaltung und der Verleihung der Wilhelm von Schadow-Medaille. Dass sich Schadow dem Einfluss seines Vaters, des berühmten und anerkannten Bildhauers Johann Gottfried Schadow, kaum entziehen konnte, verwundert nicht. Während er durch seinen Vater, der sich für die Persönlichkeit Luthers begeisterte, auf die philologische Erkenntnis der Schrift hingewiesen wird, bedingt der geistige Einfluss seiner Mutter, einer Wiener Jüdin, die sich viel mit Literatur befasste, Wilhelms grundsätzliche Empfänglichkeit für übersinnliche Phänomene. In dieser Polarität des lutherischen und jüdischen Geistes, in der Schadow aufwuchs, dürfte ein Grund für seine tiefe Widersprüchlichkeit liegen, seine gleichzeitig rationale und gefühlsbetonte, romantische Sicht.

„Der Alte“, eine Verkörperung Wilhelm von Schadows in seiner autobiographischen Novelle „Der moderne Vasari“, erinnerte sich an diese vergangenen Tage der Jugend:

„Er dachte darüber nach, was seine Jugend bewegt, was ihn zuerst in der Kunst angesprochen, was ihm von Anbeginn gleichgültig oder gar zuwider gewesen, und das Ergebnis seiner Erinnerung fiel dahin aus, er sei dem am treusten geblieben, was ihn in der Jugend am meisten entzückt habe, wenn auch in dem entschiedensten Widerspruch mit den Autoritäten seiner Zeit.

Die Jugend aber ist einseitig, sie folgt dem angeborenen, individuellen Triebe, ist oft ungerecht, nicht aus Absicht, sondern aus Mangel an Erkenntnis, spätere Jahre zwingen den redliche Strebenden, auch andere Richtungen die ihnen gebührende Stellung einzuräumen; der Geist bereichert sich, und das Urteil wird milder und universeller.

Wer eine solche Laufbahn gemacht, dem darf man das Recht zur Kritik wohl einräumen, denn, falls er auch seinem ursprünglichen Naturell treu bleib, so übt er nichtsdestoweniger Gerechtigkeit auch gegen andere Richtungen,“ schreibt Schadow.

Auch Sie, lieber Dr. Müller, lebten Ihre Jugend im Geiste des Widerspruchs. Erzogen im Geiste eines protestantischen Pragmatismus der Eltern einerseits, konfrontiert mit den sozialen Ideen der Arbeiterbewegung, entschieden Sie sich später für die Arbeiterbewegung, ohne dabei Ihre Herkunft aus der preußischen „Juristen- und Beamtenkaste“ zu leugnen.

Seinen ersten „Literaturpreis“ erhielt Dr. Müller bereits im Alter von 11 Jahren. Bei einem Literaturwettbewerb in Stadthagen (Niedersachsen), wo die Familie sich nach der Übersiedlung im Jahre 1950 niedergelassen hatte, wurde Henning auf die Bühne gerufen.

Rot bis über beide Ohren nahm er seinen ersten, bis dahin noch nicht charakterisierten Literaturpreis in Empfang. Der Preis war ein englisch karierter Hemdenstoff gestiftet von einer Stadthagener Textilfabrik. In den Worten Henning Müllers liest sich der Fortgang der Geschichte wie folgt:

„1954 war das für ein Flüchtlingskind wie mich ein wertvoller Preis. Meine Mutter nähte mir Hemden davon, die ich trug bis sie mir vom Leib fielen. Ich finde, so müssen Literaturpreise beschaffen sein: eine Ehrung für die künstlerischen Leistungen und zugleich von praktischem Wert:“

Nach seinem Abitur in Hannover begann Henning Müller mit einem Volontariat zum Redakteur bei der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, wo er anschließend als Redakteur tätig wurde. 1968 ging er nach Berlin, um Literatur- und Theaterwissenschaften zu studieren. Hier engagierte er sich bald politisch im Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Nach seinem eigenen Bekunden galt für ihn in seiner politischen Aktivität die Maxime: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Genau in der Reihenfolge, wie es geschrieben steht – die Freiheit zuerst – und von hieraus der Einsatz für die Armen, Entrechteten, Leidenden und Getretenen. In diesem Sinne war und ist Henning Müller – ein demokratischer Sozialist und Humanist aus Überzeugung – ein Weltbürger.

Nach seinem anschließenden Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften promovierte er an der Freien Universität Berlin zum Thema Theater im Zeichen des Kalten Krieges“. Unter dem Namen „Theater der Restauration“ ist dieses eine heute als Standardwerk der Theaterwissenschaften anerkannte Buch.

Anschließend folgte seine Habilitation zum Thema Jüdische Traditionsquellen bei Friedrich Wolf“. Mit dem 1888 in Neuwied am Rhein geborenen jüdischen Arzt, Schriftsteller und Dramatiker Friedrich Wolf begannen Dr. Müllers bis heute nicht abgeschlossenen Forschungstätigkeiten.

Er hat die weltweite Wirkung der Dramen Wolfs als Zeugnisse eines „besseren Deutschland“ in seinen Forschungen besonders betont. In diesem Sinne konzipierte er bereits 1987 und auch im darauf folgenden Jahr zum hundertsten Geburtstag Friedrich Wolfs Symposien und Ausstellungen in Neuwied. Der Auseinandersetzung mit den jüdischen Traditionsquellen bei Friedrich Wolf folgten weitere Publikationen zu den Themenkreisen Geschichte der Juden in Deutschland, Rassismus und Antisemitismus, Exilliteratur, Asyl, Deutsche Literatur nach der Einheit.

Die anfänglich erwähnte Widersprüchlichkeit finden wir nicht nur bei Friedrich Wilhelm von Schadow und Henning Müller, sondern in jeder Person, die sich mit der Problematik des „Jude sein“ in Deutschland auseinandersetzt. Heinrich Heine, Friedrich Wolf, Erich Fromm oder Paul Celan stehen ebenso wie Friedrich Wilhelm von Schadow oder Dr. Henning Müller im täglichen Widerspruch eines lutherischen Pragmatismus und eines mosaischen Utopismus. Sie alle stehen in einer fortwährenden konstruktiven Auseinandersetzung mit dem jüdisch-christlichen Abendland.

Friedrich Wilhelm von Schadow löste dieses persönliche Dilemma durch sein Konvertieren zum Katholizismus. Henning Müller findet die Lösung seines Konfliktes – übrigens der Grundkonflikt seiner ganzen Generation, die im Widerspruch zum Gedankengut der „Generation der Naziväter“ steht - in der konkreten Utopie des mosaischen Sittengesetzes und dem Gebot der christlichen Nächstenliebe, ohne sich dabei konfessionell einbinden zu lassen.

Vielmehr steht er in der aufklärerischen Tradition eines Moses Mendelssohn, Gotthold Ephraim Lessing und der Gebrüder Humboldt . Er ist sich der historischen Verpflichtung bewusst, dass Verbrechen wie Auschwitz nie wieder geschehen dürfen, dass Juden – aber auch Andersgläubigen – in unserem Vaterland nie wieder ein Leid geschehen darf.

Aufklärerisch, mit Zivilcourage wirkte er stets, wo es Not war. So Anfang der 90er-Jahre als Vertreter des Berliner Schriftstellerverbandes in der damaligen Bundeskulturkommission der IG Medien, wo ich Henning Müller das erste Mal begegnete. Hier lernte ich einen durchaus untypischen Gewerkschafter kennen.

In den Diskussionen in der Bundeskulturkommission erwies sich Dr. Müller als ein Mensch, der als Künstler auch Wissenschaftler und als Wissenschaftler auch Künstler bleibt. Das Denken ist für ihn der schöpferische Grundprozess, Lebenselixier für Wissenschaft, Kunst und alle übrigen Lebenstätigkeiten. Hierin ist er eher ein Renaissancemensch, hat die Universalsicht dieser Zeit noch in sich.

Gegen die Engstirnigkeit hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionäre ging Henning Müller von Anfang an uneitel, aber dennoch selbstbewusst an. Schon bei unserer damaligen Konferenz in der Bundeskulturkommission erlebte ich, wie er Versuche, die Kunst und Künstler für gewerkschaftspolitische Zwecke zu instrumentalisieren, analytisch präzise und kämpferisch zurückwies. Auf das „Die Kunst muss“ von einem hauptamtlichen Gewerkschaftsfunktionär folgte Henning Müllers „Die Kunst kann alles“ und „Die Kunst muss nichts“.

Martin Walser sagte einst „Durch Schreiben kann man das Denken verlangsamen. Das heißt: Man kommt erst dann an, wenn alle anderen sich schon verlaufen haben“(…) und bei Henning Müller müsste man hinzufügen: „… und ist dann doch der Erste“.

So verwundert es nicht, dass er immer wieder politische Mandate übertragen bekam. So wählten ihn seine Schriftstellerkollegen 1989 in den Vorstand der Verbandes Deutscher Schriftsteller/Landesverband Berlin, dem er bis 1998, zuletzt als 1. stellvertretender Vorsitzender, angehörte. 1991 wurde er in den Vorstand des Berliner Kulturrates, einem Zusammenschluss aller Berliner Kulturverbände, gewählt.

1993 berief die IG Medien Niedersachsen-Bremen ihn in die Landeskulturkommission. Hier wirkte er an der Herausgabe des Enquete-Berichtes der Landeskulturkommission in Niedersachsen-Bremen mit. Mit seinem 1995 veröffentlichten Beitrag „Künstlerische Kompetenz und gesellschaftlicher Bedarf – Plädoyer für einen Neubeginn der Künstlerweiterbildung“ initiierte er den Beginn der „Künstlerweiterbildung“. Von 1995 bis 1998 entwickelte er im Auftrag des Niedersächsischen Landeskulturwerkes und der IG Medien das „Modellprojekt Künstlerweiterbildung“. Seit 2000 ist er Präsident der Europäischen Akademie Émile Zola.

Sehr geehrter, lieber Herr Dr. Müller, verehrte Frau Müller, verehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, es wäre keine Laudatio, wenn ich versäumen würde, diese mit einem abschließenden Gedanken zu beenden.

Sehr geehrter Herr Dr. Müller, es entspricht Ihrer Erkenntnis, dass es auf jeden einzelnen Menschen ankommt, immer und in jeder Situation. Die Erfahrung, dass jedes Dasein einzigartig ist, unersetzlich und unwiederbringlich, hat Ihr ganzes Schaffen geprägt. Man darf niemals einen Menschen einem Zweck opfern. Denn wer einen Menschen tötet, der lässt eine Welt untergehen! Und es gibt keinen Preis, keine Lehre, keine Vorhaben, die das rechtfertigen könnten.

Sehr geehrte Damen und Herren, das Präsidium der Schadow-Gesellschaft hat mit der Verleihung der Auszeichnung an Dr. Henning Müller eine kluge Entscheidung getroffen. Durch die Verleihung der Wilhelm von Schadow-Medaille will die Schadow-Gesellschaft Persönlichkeiten, die sich um die Förderung der Künste und des Kulturlebens durch Wort, Schrift oder Werk verdient gemacht haben, anerkennen und auszeichnen. So steht es in Ihren Statuten.

Mit der Verleihung der Wilhelm von Schadow-Medaille an Dr. Dr. Henning Müller wurde eine Persönlichkeit gewürdigt, die stets in Wort, Schrift und Werk das Leben in den Mittelpunkt seines Werkes stellte - darin korrespondiert er mit Wilhelm von Schadow, den ich zum Schluss meiner Laudatio zitieren möchte: „Leben aber ist die Hauptbedingung jedes Kunstwerkes, dagegen ist der Gegenstand etwas Secundäres. Besser eine lebendige Fliege als ein toter Gott.“

Herr Dr. Müller, lieber Henning, ich gratuliere dir zu Deiner Auszeichnung.

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Wilhelm von Schadow - Bildnis der Fanny Elbers (1826)

 

Gedenkmünze der DDR

Münze

 

Münze Rückseite

 

Details

 

Artikelname:

10 Mark Johann Gottfried Schadow DDR

Artikelnummer:

1325

Prägestätte:

Staatsbank der DDR

Kategorie:

DDR Gedenkmünzen

Ausgabeland:

DDR

Ausgabejahr:

1989

Rand:

Glatt

Durchmesser:

31 mm

Nominal / Nennwert:

10 Mark

Auflage:

39.200 Stück

Erhaltung:

Stempelglanz

Fein- / Raugewicht:

8,5 Gramm

Material:

Silber

Besonderheit:

Gedenkmünze

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